Endometriose und Darm
In guten und in schlechten Zeiten ......
wie Darm, Mikrobiom und Endometriose sich gegenseitig beeinflussen.
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Darm und seiner Bakterienwelt, dem Mikrobiom. Ich finde es sehr faszinierend, welchen Einfluss dieses System auf den kompletten Körper hat. Erst letztens habe ich eine Studie gelesen, wo man das Mikrobiom von Sportlern, die eine Spitzenposition im Triathlon einnehmen, gemessen und mit dem von nicht so Leistungsstarken verglichen hat. Tatsächlich hat man dort gesehen, dass es enorme Unterschiede im Mikrobiom gegeben hat. Man geht sogar so weit, dass man annimmt: Wenn man das Mikrobiom eines Spitzensportlers auf das eines nicht so starken Sportlers überträgt, dass dieser seine Leistung enorm steigert bei gleichbleibendem Training.
Wie kann sowas sein? Und was heißt das für Patientinnen mit Endometriose?
Das Mikrobiom ist ein eigener Organismus innerhalb des Körpers. Es besteht aus so vielen Bakterien, dass die komplette Menge zwischen 1,5 und 2 kg wiegt! Diese Bakterien sind hoch aktiv und haben, durch ihren Stoffwechsel, einen enormen Einfluss auf uns.
Alles was wir essen, trinken und einnehmen landet im Darm und wird dort erstmal verdaut und vom Immunsystem überprüft. Gelangen unverdaute Reste, was mittlerweile der Normalfall ist da durch Stress, schnelles Essen und Zusätze im Essen, die für unseren Körper gar nicht verdaulich sind, in den Dickdarm werden Sie dort von den Bakterien verstoffwechselt.
Ballaststoffe dienen den guten Bakterien als Nahrung, unverdaute Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate sind eine optimale Lebensgrundlage für schlechte Bakterien. Zu diesen gehören Clostridien, Klebsiellen, Proteobacterien, Pilze uvm.
Die Bakterien selbst sind nicht das größte Problem sondern das, was sie aus dem unverdauten Essen machen ! So entstehen im Darm, bei 36 Grad Temperatur, luftdicht abgeschlossen Stoffe wie Cadaverin ( Leichengift), Fuselalkohole, Ammoniak, Methan, Histamin uvm.
Hält dieser Zustand längere Zeit an, dann schädigen diese Stoffe die Darmwand, stören das Milieu des Darms, verhindern die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen und triggern das Darmimmunsystem. Ein so überforderter Darm reagiert irgendwann unweigerlich mit Unverträglichkeiten, Allergien,, Entzündungen und Immunstörungen und Leaky-Gut. Dazu kommen die vielen Umweltgifte, Stress und Lebensmittelzusätze, die dann nicht nur den Darm sondern auch die Leber stark belasten!
Die eigentliche Aufgabe des Darms ist aber unter anderem die Bildung kurzkettiger Fettsäuren, Serotonin ( Glückshormon) , Gaba( Neurotransmitter der uns entspannt), Enzymen und die Aufrechterhaltung unseren Immunsystems.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Abbau von Östrogen im Darm !
Wird dieses Östrogen nicht umgewandelt und ausgeschieden gelangt es über den enterohepatischen Kreislauf ( Verbindung von Darm und Leber) wieder zur Leber, wo es erneut dem Blutkreislauf zur Verfügung gestellt wird. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron.
Interessant ist auch eine Studie aus Japan wo man beobachten konnte, dass Fusobakterien ( ein Teil der Darmbakterien) Endometriumzellen ( Zellen der Gebärmutterschleimhaut) anregen sich zu bewegen. Das könnte ein möglicher Grund oder Teilgrund sein, warum bei der Endometriose verstärkt Gebärmutterzellen in die Bauchhöhle wandern.
Tatsächlich konnte ich in der Praxis eine häufige Übereinstimmung finden, wenn wir bei Endometriosepatientinnen eine Mikrobiomanalyse erstellt haben. Die Fusobakterien waren häufig erhöht !
Fazit
Bedenken wir jetzt, dass die Endometriose eine chronisch- entzündliche- östrogengesteuerte- Immunerkrankung ist, die häufig mit Histaminunverträglichkeit, Nahrungsmittelallergien und Progesteronmangel einhergeht , dann sehen wir die direkten Zusammenhänge zum Darm.
Daraus können wir ableiten, dass es zwingend notwendig ist den Darm aufzubauen, zu regenerieren und mögliche Störfaktoren wie Unverträglichkeiten, Fehlbesiedlungen, Allergien und Entzündungen auszuschalten.
Eine besonders gute Grundlage bietet hier die Labormedizin. Anhand einer Mikrobiomanalyse können wir genau erkennen, wo die Therapie ansetzen muss und so den Darm angemessen therapieren.
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